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Die fünf wichtigsten Irrtümer über das Parken

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Unter den kleinen Ärgernissen des Alltags ist ein Knöllchen wegen Falschparkens wohl eines der Üblichsten. Wenn wir ehrlich sind, ergeben sich die meisten Strafzettel aus eigenem Verschulden – manchmal jedoch treten Sonderfälle auf, mit denen man gar nicht gerechnet hätte. Was passiert etwa, wenn der Parkscheinautomat defekt ist? Kann man seinen Parkschein verkaufen oder weitergeben? Wie verhalten sich Parkzeitverlängerungen mit der Höchstparkdauer? Darf man seine Parkscheibe weiterdrehen? Gibt es Fälle, in denen man nicht bezahlen muss? Über diese Fragen werden Sie hier aufgeklärt!

Was ist bei einem defekten Parkscheinautomaten

Eine defekte Parkuhr oder ein funktionsuntüchtiger Parkscheinautomat sind für viele Autofahrer ein Grund zum Grübeln. Mitnichten allerdings bedeutet dies einen Freifahrtschein zum Freiparken. Rechtlich gilt eindeutig: kann kein Parkschein gezogen, keine Parkuhr gestellt werden, ist eine Parkscheibe zu benutzen. Dies ist bei Parkautomaten allerdings nur dann der Fall, wenn man nicht auf einen anderen funktionstüchtigen zurückgreifen kann. Bei großen Parkplätzen rettet ein defekter Automat also nicht vor zusätzlichen ein oder zwei Fußminuten.

Die Parkscheibe muss stets den gesetzlichen Vorgaben entsprechen: 11 Zentimeter breit, 15 Zentimeter hoch und eine Zeitangabe von 0 bis 24 Stunden. Zumeist braucht man sich hier keine Sorgen machen, da die meisten handelsüblichen Parkscheiben diesen Vorgaben entsprechen.

Nachdem Sie Parkscheibe auf die nächste halbe Stunde gestellt haben, können Sie bis zur Höchstdauer des Parkplatzes Ihr Fahrzeug auf dem Platz abstellen.

Ein Zettelhinweis (zum Beispiel „Parkuhr defekt!“) ist ohne beiliegende Parkscheibe unzulässig und rettet nicht vor dem Knöllchen.

Darf man seinen Parkschein weitergeben?

Hierauf lautet die Antwort klar: Ja! Auch wenn die Kontrollbehörden ohnehin kaum etwas Gegenteiliges beweisen könnten, ist die Weitergabe eines Parkscheins durchaus zulässig. Dies gilt ebenfalls für die heutzutage selten anzutreffenden Parkuhren, falls noch eine Restzeit übrig ist. Auch wenn dieser Fall etwas kurios anmuten mag: ihren Parkschein verkaufen dürfen Sie grundsätzlich auch.

 

Parkzeitverlängerung und Höchstparkdauer?

Viele Parkplätze mit Parkscheinautomaten haben eine vorgegebene Höchstparkdauer, welche nicht überschritten werden darf. Zwar hat man grundsätzlich das Recht, die bezahlte Parkdauer durch Ziehen eines weiteren Scheins zu verlängern, eine Umgehung der Höchstparkdauer ist damit allerdings nicht möglich. In anderen Worten: verlängern ja, aber nur bis zur Maximalzeit.

Darf eine Parkscheibe weitergedreht werden?

Wenn man in der Innenstadt parkt und mehrere hintereinander folgende Besorgungen zu erledigen hat, ist es naheliegend, die Parkscheibe nach Bedarf weiterzudrehen. Dies ist allerdings unzulässig. §13 Absatz I Satz 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO) besagt, dass die Stellung der Parkuhr für eine einzelne Parkplatznutzung gilt. Um also nochmals auf dem Parkplatz parken zu dürfen, bedarf es eines neuen Parkvorgangs – hierbei ist ein Wegfahren und erneutes Einparken allerdings völlig ausreichend.

Wer nun annimmt, die Kontrollbehörden könnten einem das Weiterstellen der Parkscheibe ohnehin nicht beweisen, irrt. Denn die Kontrollbeamten fotografieren den Wagen auch um darzulegen, dass die Parkscheibe weitergestellt wurde, obwohl ein neues Einparken nicht stattgefunden hat.

Wann muss man keine Parkgebühren bezahlen?

Parkgebühren oder das Stellen der Parkscheibe sind nur dann fällig, wenn man auch tatsächlich parkt. Darunter versteht man das längerfristige Abstellen des Fahrzeugs. Wer länger bis zu drei Minuten sein Fahrzeug abstellt, „hält“, wer länger als drei Minuten hält oder sein Fahrzeug verlässt „parkt“.

Das Be- und Entladen im Rahmen des Haltens ist grundsätzlich also gebührenfrei.

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1 Kommentar

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  • Sehr geehrte Damen und Herren,

    mein Name ist Michael Hellfritzsch und ich wohne in 18609 Ostseebad Binz. Es gibt einen Parkplatz welcher für Kunden von verschiedenen Geschäften kostenfrei zur Verfügung gestellt wird und der eine zeitliche Begrenzung der Parkdauer von 90 Minuten vorsieht. Der Parkplatz ist privat, aber als solcher nicht von der Fahrbahn aus oder beim Auffahren zu erkennen. Es stehen an jeder auf dem Parkplatz befindlichen Parkreihe (gekennzeichnete Flächen) ein Schild welches in großer Schrift und Bebilderung auf die Parkzeit und auf Abschleppen hinweist, aber etwas unterhalb steht Text, welcher im Vorbeifahren nicht lesbar ist. Weiter gibt es Platz (welcher nicht gekennzeichnet ist) wo Fahrzeuge abgestellt werden. Dieser Platz ist weder eine Zufahrt noch eine Abfahrt, sondern befindet sich an einer Gebäudewand. Es wird also niemand behindert oder gestört. Ich benutze diesen Parkplatz fast nie, aber heute war ich auf der dort befindlichen Poststelle und hatte meinen PKW vor dieser besagten Wand abgestellt. Mein Aufenthalt auf der Post betrug ca. 2-2,5 Minuten. Als ich zu meinem PKW kam fand ich einen Zettel (Ausdruck) bei welchem mir der Straftatbestand der „Besitzstörung in verbotener Eigenmacht“ gemäß § 858 BGB vorgehalten wird. Es wurde mir ein Verwarngeld in Höhe von 25,00 Euro auferlegt. In der Folge habe ich mir dann die o.g. Schilder näher angesehen und festgestellt das tatsächlich auf Sanktionierung hingewiesen wird. Ist es rechtens das ein privater Parkplatz, welcher aber für fremde Personen nicht als solcher erkennbar ist , keinen vor dem Befahren erkennbaren Hinweis auf Privatgelände enthält und gibt es eine Norm für die Schriftgröße bei Hinweisschildern ? Meine Annahme war das es sich um einen öffentlichen Verkehrsraum handelt. Ich habe die Zufahrt zu dem Parkplatz so wie meine genutzte Fläche fotografisch dokumentiert. Es war nie meine Absicht jemand zu stören und auch keine verbotene Eigenmacht auszuüben. Durch meine Handlung wurde auch niemand geschädigt oder behindert. Habe ich Erfolgsaussichten wenn ich der Forderung widerspreche ?
    mit freundlichen Grüßen
    Michael Hellfritzsch

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